Die dreifache Göttin
Mythen, Märchen und auch unsere Träume bedienen sich einer universellen Sprache: der Sprache der Bilder und Symbole.
Vor hunderttausenden von Jahren, in der Kindheit der Menschheitsgeschichte, waren die Menschen vermutlich Nomaden – Sammler und Jäger. Sie lebten von dem, was Mutter Erde hervorbrachte, die sie deshalb verehrten. Sie stand im Zentrum der Schöpfung. Sie gehörte allen, es gab noch keinen Landbesitz.
Soweit bekannt ist, entstand die Zivilisation mit der Sesshaftigkeit und dem Ackerbau. Übertragen auf ein Metermaß nähme dieser letzte Entwicklungsschritt von dem einen Meter nur einen Zentimeter ein! Aus diesem Grunde verstehen wir die alten Bilder noch, die der langen Kindheit des Menschen und damit dem Gefühl entsprechen. Noch heute wird der Mensch zu 90 % von seinem Unterbewusstsein gesteuert. C.G. Jung nannte solche unbewussten Inhalte, von denen man annimmt, dass sie in jedem Menschen, gleich welcher kulturellen Gruppe, als allgemeine seelische Grundlage überpersönlicher Natur wirksam werden, das Kollektive Unbewusste. Es wird vermutet, dass Mutter Erde, die Große Mutter oder Große Göttin, in den Vorstellungen der Menschen in vielen Aspekten oder Archetypen (Jungs Bezeichnung für die Inhalte des Kollektiven Unbewussten) lebte. Diese sind keine theologischen Personen, wie sie sich die klassischen Religionen vorstellen. Sie sind anschauliche Begriffe für Kräfte und Prinzipien der Natur. Die Große Göttin kann man sich unterteilt in eine Trinität vorstellen, um die natürlichen Abläufe des Lebens zu begreifen. Als Schöpferin, Bewahrerin und Zerstörerin finden wir sie noch heute in vielfältiger Form und in vielen Kulturen wieder, ob als Schicksalsgöttinnen in den nordischen Nornen als Urd, Verdandi und Skuld oder den griechischen Moiren als Klotho, Lachesis und Atropos oder den römischen Parzen. Alle Nationen der alten Welt kannten die Theorie, dass das Leben ein geheimnisvoller Faden sei, der von der Jungfrau (im Sinne von junger Frau) gesponnen, von der Mutter gemessen und gehalten und von der Greisin abgeschnitten wird. Es gibt viele Zuordnungen in den verschiedensten Bereichen, wie werden – sein - vergehen, säen – hegen – ernten, weiß – rot – schwarz, zunehmender Mond – Vollmond – abnehmender Mond, Es – Ich – Über-Ich und viele mehr. So durchlaufen wir während unseres Erdendaseins immer wieder diese drei Stufen der Entwicklung auf verschiedenen Ebenen. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass das bestehende Patriarchat ein früher existierendes Matriarchat, also eine mutterzentrierte Gesellschaft, abgelöst hat. Ich meine, es ist an der Zeit, dass endlich etwas Neues kommt im Sinne von These – Antithese – Synthese. Im Namen der Mutter, der Tochter und der weisen Alten. Für die Gestaltung der Dreifachen Göttin habe ich auf Vorstellungen zurückgegriffen, die für mein Empfinden die jeweilige Verkörperung am besten wiedergeben, auch wenn sie mythologisch nicht zusammengehören, obwohl alle drei der griechischen Mythenwelt entstammen. Die Gesichter sind entsprechend der Farbzuordnungen in weißem, rotem und schwarzem Ton modelliert, das Haar trägt die Farbe der jeweiligen nächsten Göttin, sodass die schwarze schon wieder den Keim der weißen in sich trägt und der Kreis sich schließt. Einige der jeweiligen Attribute sind ihnen an ihren Wander- bzw. Zauberstäben (oder Szeptern als Insignien ihrer Macht) beigegeben
Sommer 2005, Barbara Morvane Frank, Atelier Fuchsbau
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